Akne Inversa | Was ist Acne inversa & was hilft dagegen?

Was ist Akne inversa? Die Hautkrankheit Acne inversa, manchmal fälschlicherweise auch als Hidradenitis suppurativa oder als Schweißdrüsenabszess bezeichnet, gehört zu den schweren chronischen Hautkrankheiten. Das sehr unangenehme Leiden ist weltweit verbreitet. Geschätzte 70 Millionen Menschen sind von der Krankheit betroffen, sowohl Männer als auch Frauen, wobei Frauen etwas häufiger darunter leiden.

Bei ihnen sind öfter die Achselhöhlen und der Unterbrustbereich befallen, bei Männern die Analregion und die Leistenfalte. Die Erkrankung tritt im Allgemeinen erst nach der Pubertät auf und kann bis ins hohe Alter hinein ausbrechen. Die meisten Ersterkrankungen treten aber zwischen 20 und 30 Jahren auf. Erstmals beschrieben wurde die Krankheit 1839 vom französischen Chirurgen Alfred Velpeau.

Er glaubte damals, die Ursache der Erkrankung wären die Schweißdrüsen, daher auch der Name Schweißdrüsenabszess. Später wiesen Ärzte aber nach, dass nicht die Schweißdrüsen, sondern die Talgdrüsen in der Haut und die äußeren Wurzelscheiden der Terminalhaarfollikel die Krankheit auslösen. Akne inversa ist die schwerste Variante der Akneerkrankungen überhaupt und sie ist bis heute nicht heilbar.

Die Ursachen der Akne inversa

Die Krankheit beginnt mit einer Verhornung am Ausführungskanal einer Talgdrüse bzw. einer Haarwurzel. Im Hornmaterial siedeln sich Bakterien an und führen nach und nach zu einer Entzündung und Vereiterung. Wenn sich die Entzündung im Gewebe weiter ausbreitet, werden unter anderen auch die Schweißdrüsen mit einbezogen. Es kommt zu sehr schmerzhaften und teilweise großflächigen Abszessen und Ulzerationen, später zur Fistelbildung.

Immer wieder kommt es zu neuen Ausbrüchen an den gleichen oder anderen Körperstellen. Die Achselhöhlen, die Haut unter der Brust, unter dem Bauch, an der Leiste und in der Pofalte sind besonders häufig betroffen, weil sie besonders gute Brutstätten für Bakterien sind. Die Feuchtigkeit, Wärme und ein alkalischer PH-Wert sind die Ursachen dafür. Trotzdem wissen die Ärzte nicht genau, warum manche Menschen unter der Akne inversa leiden und andere nicht.

Mit mangelnder Hygiene hat die Erkrankung jedenfalls gar nichts zu tun. Wie es scheint, gibt es eine genetische Disposition, auch übermäßige Schweißproduktion (Hyperhidrose), eine hormonell verursachte Überproduktion der Talgdrüsen und starkes Übergewicht kommen als Auslöser infrage. Ebenso gelten Diabetes und andere Auto-Immunkrankheiten als mögliche Verursacher.

Es wird auch vermutet, dass das Rauchen eine Ursache sein könnte, weil fast 90 Prozent aller Erkrankten Raucher sind. Die bei der Erkrankung immer beteiligten Bakterien, meist Staphylococcus aureus, lösen sie nicht aus, sie beeinflussen aber die Schwere der Erkrankung erheblich.

Symptome

Nach der Schwere des Krankheitsbildes werden die Symptome der Erkrankung in 3 Stadien eingeteilt

  • Stadium I: Zuerst bilden sich größere Mitesser (Komedonen). Danach kommt es zu Hautabszessen und derben, deutlich tastbaren Knoten in der Haut. In diesem Stadium wird die Acne inversa häufig mit einem Furunkel verwechselt.
  • Stadium II: Jetzt kommt es zu wiederkehrenden Abszessen und Fisteln, in denen sich Eiter ansammelt. Auf Druck entleeren sich die bis zu hühnereigroßen Abszesse von Talg, Eiter und einem sehr übelriechenden Sekret.
  • Stadium III: In diesem Stadium sind größere Flächen der Körperregion befallen. Multiple Abszesse fließen praktisch ineinander, es entstehen tiefe miteinander verbundene Fistelgänge und narbige Areale, wo die Entzündung zurückgeht.
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Antibiotika helfen zu Beginn

In diesem Stadium erleiden die Betroffenen unter erheblichen Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, allgemeinen physischen aber auch psychischen Problemen. Die Lebensqualität ist oft erheblich eingeschränkt. Die meisten Erkrankten sind nicht mehr arbeitsfähig und sozial stark isoliert. Sie schämen sich einer Krankheit. Zusätzlich sind noch weitere Komplikationen möglich. Sind die Entzündungsherde sehr groß, können hohes Fieber und Kopfschmerzen auftreten.

Falls Bakterien aus den Entzündungsherden ins Blut eingeschwemmt werden, kann es im schlimmsten Fall zur Blutvergiftung (Sepsis) kommen, welche oft tödlich endet. Nach langer Krankheitsdauer kann Akne inversa sogar zum Hautkrebs entarten. Auch Depressionen kommen bei den erkrankten Menschen relativ häufig vor, was dem hohem Leidensdruck geschuldet ist.

Therapeutische Möglichkeiten bei Acne inversa

Weil die Ursachen der Acne inversa nicht bekannt sind, gibt es natürlich auch keine wirksamen Vorbeugungsmaßnahmen, außer der Vermeidung der möglichen Auslöser Rauchen und Übergewicht. Es gibt auch keine eigentliche Therapie der Erkrankung, die zu vollständiger Heilung führen würde. Trotzdem gibt es einiges, was die Beschwerden deutlich lindern und die Schwere des Krankheitsverlaufs abmildern kann. Wie die Symptome, werden auch die Therapieansätze in drei Stufen aufgeteilt.

Antibiotika

Im ersten Stadium der Akne inversa wird mit Antibiotika versucht, die Besiedlung der Hornhautschicht mit Bakterien zu verhindern. Dazu werden unterschiedliche Breitbandantibiotika eingesetzt, zum Beispiel Clindamycin, Rifampicin oder auch Monoccylin. Alle drei sind sehr wirksam gegen Staphylokokken.

Antiandrogene

Auch die Gabe von Antiandrogenen, die die Talgproduktion hemmen, ist in bestimmten Fällen erfolgversprechend. Darüber hinaus gibt es wirksame entzündungshemmende (antiinflammatorische) Substanzen wie Infliximab, Adalinumab und Etanercept. Gerade Adalinumab hat sich in letzter Zeit in Langzeitstudien als recht erfolgversprechend erwiesen und führte bei einem großen Teil der Probanden zu einem deutlichen Rückgang der Entzündung.

Zur lokalen Behandlung gehören auch Lösungen, Salben und Lotionen. Häufig werden Ichthyolsalben, clindamycinhaltige Lösungen oder octenidinhaltige Lotionen aufgetragen. Ein weiteres Mittel der Wahl ist Tretinoin, das die Keratinproduktion hindert und dadurch die Hornschichten verdünnen kann. Im Stadium II und III hilft häufig nur ein chirurgischer Eingriff.

Deshalb ist es so wichtig, die Krankheit möglichst früh zu diagnostizieren, was nicht ganz leicht ist. Für einen medizinischen Laien kann die Hautkrankheit zu Beginn leicht mit Furunkeln, Karbunkeln, Abszessen der Schweißdrüsen oder mit verschiedenen Pilzinfektionen verwechselt werden und sogar Ärzten fällt es schwer, eine solche Erkrankung im Anfangsstadium zu erkennen.

Um Verwechslungen vorzubeugen, kann der Mediziner Gewebeproben der betroffenen Areale entnehmen und mikroskopisch untersuchen lassen. Gerade wenn die Erkrankung im familiären Umfeld bereits aufgetreten ist, sollte eine solche Gewebeprobe möglichst frühzeitig vorgenommen werden.

Die operative Behandlung

Sie bleibt für sehr viele von der Krankheit Betroffene der letzte Ausweg, wenn sich schon Fisteln gebildet haben. Eine solche Operation kann mit dem Skalpell oder mit dem Laser durchgeführt werden, wobei die betroffenen Stellen großräumig entfernt werden. Anschließend wird, soweit möglich, die angrenzende gesunde Haut zur Schließung der Wunde verschoben.

Ist das aufgrund der Größe nicht möglich, kann eventuell auch Haut von anderen Körperpartien, zum Beispiel vom Oberschenkel, verwendet werden. Es ist auch möglich, die Wunde offen zu lassen und darauf zu hoffen, dass die Selbstheilung gelingt. Diese Methode ist sehr langwierig und funktioniert nur bei sehr guter Durchblutung des Areals.

Es gibt von der Krankheit betroffene Patienten, die 50 und mehr Operationen hinter sich haben und damit einen sehr langen und extremen Leidensweg hatten.

Eine noch zu wenig bekannte Erkrankung

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Wenn nichts mehr geht, hilft nur eine Operation

70 Millionen Betroffene weltweit, 2 Millionen Betroffene in Deutschland sind sicher nicht wenig, trotzdem kennt man die Krankheit noch nicht richtig und tut vielleicht auch nicht genug, sie zu erforschen. Dabei ist es eine wirklich schlimme Krankheit, auch deshalb, weil sie den Alltag stark beeinflusst, starke Schmerzen und Beeinträchtigungen mit sich bringt und neben den gesundheitlichen Auswirkungen auch große psychosoziale Auswirkungen haben kann.

Viele Betroffene suchen jahrelang erfolglos nach einem Arzt, der die Krankheit richtig und umfassend behandeln kann. Zu oft wird sie mit anderen Akneformen oder mit vollkommen anderen Krankheiten verwechselt. Mit fatalen Folgen. Es gibt Ärzte, die ihren Akne-inversa Patienten sogar vorwerfen, sie würden durch mangelhafte Körperhygiene, durch Intimrasur oder falsche Pflegeprodukte die Krankheit selbst verschuldet haben.

Soziale Folgen

Auf der anderen Seite der Krankheit steht mangelndes Selbstwertgefühl bis hin zu Selbstekel. Betroffene schämen sich der Krankheit, haben durch die vorhandenen Symptome Angst vor Sexualität und körperlicher Nähe, glauben sogar, sie wären ansteckend. Dazu kommt die lange Leidenszeit und die vielen Fehlzeiten, die immer wiederkehrende Ausbrüche der Krankheit nach sich ziehen.

Für viele führt das letztlich zum Verlust des Arbeitsplatzes und des gesellschaftlichen Status. Auch die Partnersuche und das partnerschaftliche Leben kann erschwert sein und häufig wird die Krankheit zum Lebensinhalt des Patienten. Es kommt aber noch etwas anderes hinzu, was den Betroffenen ebenfalls zu schaffen macht.

Von vielen Mitmenschen, auch von Familienangehörigen und Kollegen und sogar von einigen Ärzten wird die Erkrankung, die so schwer ist, auch völlig unterbewertet und verharmlos. Sie hat mit der zwar auch nicht angenehmen aber dagegen harmlosen gewöhnlichen Akne (Acne vulgaris) überhaupt nichts gemein, wird aber von manchen Zeitgenossen aus Unwissenheit genau so gesehen.

Daher stammt wahrscheinlich das mangelnde Verständnis, wenn der oder die Erkrankte „schon wieder“ zum Arzt oder unters Messer muss, nicht mit ins Schwimmbad, oder auf die Party kommt, ständig Tabletten nimmt und oft mit Depressionen kämpft. Es gibt seit 2011 die „Interessengemeinschaft Akne inversa e. V.“. Sie macht es sich zur Aufgabe Organisationen, Ärzte und Patienten über die Krankheit zu informieren.

Selbsthilfe

Dabei geht es auch um die großen psychosozialen und zum Teil sogar existenzbedrohenden Auswirkungen des Leidens. Außerdem gibt es ein Fachinformationsportal Akne inversa und mehrere Selbsthilfegruppen. Sie sind besonders wichtig, weil sich hier Menschen treffen, die über die Krankheit und über ihre Behandlung aus Erfahrung mehr wissen als viele Ärzte.

Sie können nicht nur den Rat und Trost geben, den es bringt, offen mit anderen Menschen über die eigenen Beschwerden sprechen zu können. Sie haben auch praktische Tipps und Tricks zur Eigenbehandlung, können die besten Kliniken und Ärzte für chirurgische Eingriffe oder die besten Pflegedienste nach einer großen Operation empfehlen.

Interessant ist auch der Austausch darüber, ob bestimmte Ernährungsweisen sich positiv oder negativ auf den Verlauf der Hautkrankheit auswirken können, oder ob bestimmte Materialien unserer Kleidung einen Einfluss haben. Wenn auch keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse darüber vorliegen, kann es Betroffenen doch in ihrem Leben mit der Krankheit nützlich sein.